Ein Krankenhaus für die Armen

Am 13. Dezember 1882 veröffentlichte die Zeitung La Perseveranza die Nachricht... VERDI LÄSST IN BUSSETO EIN KRANKENHAUS BAUEN

Daraufhin informierte Verdi sofort seine langjährige Herzfreundin Clara Maffei und schrieb ihr:

„Oh, die Zeitungen, die Zeitungen!! Es ist etwas Wahres an dem, was sie berichteten, aber auch sehr viel Falsches. Und da Sie davon sprechen, glaube ich Ihnen die Dinge so sagen zu müssen, wie sie waren und sind: die einfache Wahrheit.“

Es ist überhaupt nicht wahr, dass ich vor zwei Jahren ein Gebäude errichten ließ, das als Krankenhaus bestimmt war. Wohl habe ich in den letzten Jahren verschiedene Bauernhäuser bauen lassen, wobei man wirklich viel guten Willen braucht, um zu glauben, dass Ställe, Heuschober und große Portiken einem Krankenhaus dienen können.

Und Busseto braucht kein Krankenhaus; es besaß nämlich ein eigenes, das auch gut ausgestattet gewesen wäre, wenn man  es gut verwaltet hätte.  Es handelte sich also nicht um Busseto, sondern um das kleine Gemeinwesen Villanova, das vier Ortschaften umfasst, darunter Sant’Agata, wo ich wohnte, und mit einer Gesamtbevölkerung von etwa 6.000 Einwohnern. Dieses Gemeinwesen gehört zur Provinz Piacenza, und die armen Kranken hatten nur das Krankenhaus von Piacenza, dessen Entfernung aber 34 oder 36 Kilometer beträgt, weshalb viele arme Kranke – nicht alle – unterwegs dorthin schon starben.

Darum schlug ich dem Bürgermeister dieses Gemeinwesens vor, auf meine Kosten ein kleines Grundstück in geeigneter Lage zu kaufen, auf dem ich ein kleines Gebäude, eine Zuflucht, ein irgendetwas für diese Armen errichten würde, aber ohne der Anspruch darauf, etwas Bedeutendes zu schaffen und in den Dimensionen, wie sie die Zeitungen beschrieben hatten: erstens, weil es für eine so kleine Bevölkerung nutzlos gewesen wäre; zweitens, weil ich es wirklich, wirklich, wirklich nicht hätte tun können. Ihnen kann ich aber wohl sagen, dass mein Vermögen, über das ich mich keineswegs beklagte, nicht so üppig war, wie es die Zeitungen manchmal verkündet hatten. Oh, immer die Zeitungen!!“ (16.12.1882).

Am 23. Februar 1883 erwarb Verdi ein Grundstück von etwa einem Hektar, übertrug die Planung des gedachte Gebäudes dem Architekten Vincenzo Marchetti aus Cremona und kümmerte sich darum, die Arbeiten zu verfolgen die aber nur langsam vorankamen, Und schließlich war „mein Hüttchen, das sogenannte Krankenhaus“ vollendet und wurde am 5. November 1888 eröffnet.

„Das Krankenhaus, wie Sie wissen werden“, schrieb Giuseppina Verdi an den Kanonikus Avanzi, „wurde am Montag schlicht, so wie alle Werke der Nächstenliebe getan werden sollten, wie dieses große, humanitäre, heiligste Werk Verdis!!“, ohne Zeremoniell eröffnet.

Und mittels seines Testaments sorgte Verdi für den weiteren Betrieb:

„Ich vermachte dem Krankenhaus von Villanova sull’Arda alle Güter des Castellazzo. Und weil die Erträge dieser Güter höher sind als die Unterhaltskosten des Krankenhauses, ordnete ich an, dass die Verwaltung des genannten Krankenhauses das Kinderasyl von Cortemaggiore mit jährlich tausend Lire zu unterstützen hat; die Hälfte jeweils am 1. Januar, die andere Hälfte am 1. Juli. Außerdem soll sie in Ewigkeit eine Almosenverteilung von zwanzig Lire für jeden von hundert Armen der Gemeinde Villanova am 10. November eines jeden Jahres vornehmen“ (14.5.1900).

Im Jahr 1974 wurde das Ospedale Verdi in ein Zentrum für funktionelle Rehabilitation und Wiedererziehung für die Behandlung von Paraplegikern, Tetraplegikern und schwer motorisch Behinderten umgewandelt.

Mit dem Verkauf des landwirtschaftlichen Besitzes, der einst gestiftet worden war, wurde es möglich, neben dem Gebäude einen größeren Neubau zu errichten.

Weitere Informationen folgen demnächst.