Privatleben (Gutsherr & Landwirt)

Musik und Erde – Verdis zwei Lebenswerke

Giuseppe Verdi  ist weltweit als Opernkomponist bekannt und äußerst beliebt, weshalb viele seiner Opern Teil des Repertoires jedes Opernhauses sind. Ja sogar in Ländern mit eine nur geringe Opernkultur ist das der fal.

Es gilt sogar für Opern von denen Verdi selbst behauptete, sie seien "SCHWACH"  -beispielsweise  Il corsaro (1847) dessen Uraufführung er sogar fern blieb.

Weniger bekannt ist, dass Verdi über fünf Jahrzehnte hinweg auch ein außergewöhnlicher Landwirt und Agrarunternehmer war, weshalb seine landwirtschaftliche Tätigkeit kein Nebeninteresse, sondern ein zweites Lebenswerk war, das er mit derselben Ernsthaftigkeit betrieb wie seine Musik.

Mittels mehrere Traktate darüber wird sogar behauptet, dass er sich selbst als „imprenditore agricolo“ verstand... d.h.  als innovativen, modernen Landwirt.

1. Die Anfänge: Von Roncole zur ersten Besitzung (1844)

Verdis landwirtschaftliche Laufbahn begann bereits 1844, als er mit den Einnahmen aus Ernani die Possessione Pulgaro in Roncole erwarb; dieses Grundstück lag in seiner „pianuraccia“, der Ebene seiner Kindheit, zu der er eine tiefe emotionale Bindung hatte. 1883 sagte er sogar einmal darüber dass dieses stück Erde für ihn „den Zauber der Heimat“ besitze und ihm Raum gebe für sein Bedürfnis zu wirken.

2. Sant’Agata: Das Zentrum eines landwirtschaftlichen Imperiums

Wenige Jahre später tauschte Verdi Pulgaro gegen die Tenuta Sant’Agata, die zu seinem Lebenszentrum wurde. Und von dort aus erweiterte er nicht nur sein besitz auf bis um 1000 Hektare und  15 Gehöfte: er erweiterte  auch das sich dort befindliche alte Haus zu dem wie es heute vorhanden ist. Und so wurde schließlich sein Wohnsitz nicht nur  Wohnsitz, sondern auch Verwaltungszentrum, Experimentierfeld und Ausdruck seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit.

3. Verdi als innovativer Agrarunternehmer

Als damals bestimmt einer der innovativsten, modernen Landwirte, der seine Höfe meistens persönlich kontrollierte, kümmerte er sich um: Anbauplanung und Fruchtfolge, Viehzucht und Stallwirtschaft, Käsereien (caseifici) zur Milchverarbeitung, Bewässerungssysteme, Maschinenimporte sogar aus England und schließlich die Pflege seines Parks mit botanischer Leidenschaft.

Kurzum, er war ein Landwirt „a 360 gradi“ — ein Unternehmer, der alle Bereiche selbst überwachte. Und darüber hinaus investierte er in das ständige Verbessern und Entwässern von Böden.

4. Die Höfe und die Region: Ein Netzwerk von 15 landwirtschaftlichen Betrieben

Ein Landwirt „a 360 gradi“ bedeutete auch ein Netzwerk von historischen cascine, das sich über mehrere Gemeinden erstreckte, wie z. B. Villanova sull’Arda, Besenzone, Cortemaggiore, Fiorenzuola d’Arda, Monticelli d’Ongina u. a. (insgesamt 9 Gemeinden). Diese cascine bzw. Höfe bildeten ein zusammenhängendes landwirtschaftliches System, das in der Region Piacenza und Parma bis heute als kulturelles Erbe gilt.

5. Landwirtschaft als Lebensphilosophie

Und schließlich... Verdi verband Musik und Landwirtschaft nicht als Gegensätze, sondern als zwei komplementäre Lebenskräfte. So schrieb er 1897 an Corrado Ricci, dass die Arbeit auf seinem Land ihm Ruhe und Kraft verleie. Und seine Liebe zur Natur zeigte sich auch in seinem Park. So benannte er Bäume nach seinen Opern — etwa den Platano Rigoletto, die Quercia Trovatore oder den Salice Traviata.

 6. Verdi als Symbolfigur der Region

Heute sieht die Region Piacenza und Parma Verdi als Ikone ihrer landwirtschaftlichen Identität. Ein aktueller Dokumentarfilm („Le Terre Traverse di Giuseppe Verdi“) zeigt Verdi deswegen als: visionären Landwirt, Förderer regionaler Traditionen, Produzenten hochwertiger Agrarprodukteund kulturellen Botschafter seiner Heimat.