Maria Waldmann

(Österreichische Mezzosopranistin – Wien, 19. November 1845 – Ferrara, 6. November 1920)

Sie studierte in Wien und in Mailand bei Francesco Lamperti und debütierte 1865 in Sankt Petersburg in Donizettis Linda di Chamounix. Danach sang sie mehrfach in Deutschland, 1869 in Triest im Don Carlos an der Seite von Teresa Stolz, und später am San Carlo in Neapel (2. Dezember 1872) ebenfalls in Don Carlos.

1871 trat sie erstmals an der Mailänder Scala als Zerlina in Mozarts Don Giovanni, als Maffio Orsini in Donizettis Lucrezia Borgia, als Preziosilla in La forza del destino und am 8. Februar 1872 als Amneris in der italienischen Erstaufführung von Aida auf.

Hinsichtlich Aida hatte Giulio Ricordi ihre Wahl angeregt, doch Verdi, der sie bis dahin noch nicht gehört hatte, war unsicher: „Sie kennen das Libretto der Aida und wissen, dass man für Amneris eine Künstlerin von hochdramatischem Empfinden und sicherem Bühnentritt braucht. Wie kann man bei einer Fast‑Debütantin auf diese Qualität hoffen?“ (an Giulio Ricordi, 10. Juli 1871).

Das Ergebnis übertraf jedoch alle Erwartungen, denn erst in dieser Rolle kamen Waldmanns große interpretatorische Fähigkeiten, ihre raffinierte Technik, der schöne Stimmklang und ihre natürliche Eleganz voll zur Geltung. Und so konnte auch Verdi selbst die Amnerisrolle nicht mehr jemand anderem anvertrauen, demzufolge sie auch während weiterer Aufführungen – mehrere unter Verdis Aufsicht – am Teatro Regio in Parma (20. April 1872), am San Carlo in Neapel (30. März 1873), an der Wiener Hofoper (19. Juni 1875) und am Théâtre Italien in Paris (22. April 1876) die Partie zu interpretieren vermochte.

Und begeistert von Maria Waldmanns Leistung/Darstellung – auch bezüglich ihrer Persönlichkeit – lud Verdi sie 1874 zur Uraufführung seiner Messa da Requiem am 22. Mai 1874 in der Chiesa San Marco (Mailand) ein; so auch für die Tournee durch Frankreich, England und Österreich. Ja, so begeistert war der eigentlich nicht sehr begeisterungsfähige Komponist von Waldmanns Stimm- und Interpretationsqualität, dass er sogar für Sie das „Liber scriptus“ von einer Fuge für Chor und Orchester zu einem Solo für Alt und Orchester änderteun  erstmals aufgeführt in London am 15. Mai 1875.

1876 zog sie sich von der Bühne zurück, sang jedoch im Juli–August noch einmal die Amneris am Teatro Malibran in Venedig und heiratete einen Monat später – 6. September 1876 – den Herzog Galeazzo Massari von Ferrara. Und zu diesem Anlass schenkte Verdi ihr eine von Ferdinand Mulnier aufgenommene Fotografie mit der Widmung: „A Maria Waldman – E nel cambiar fortuna non cambi il suo cuor d’artista: né dimentichi Aida, la Messa e l’amico sincero – G. Verdi – Parigi 9 Giugno 1876.“

Und was noch bleibt… Sie bewahrte Verdi gegenüber stets eine dauerhafte  herzliche Freundschaft und sang deswegen am 30. Juni 1879 nochmals für wohltätige Zwecke und dirigiert vom Komponisten selbst die Messa an der Mailänder Scala.