Cesare Vigna
(Viadana, 24. Oktober 1819 – ebenda, 14. Oktober 1892)..,
promovierte in Medizin an der Universität Padua und hatte dort später auch den Lehrstuhl für Gerichtsmedizin inne. 1850 wurde er zum leitenden Arzt des San Servolo‑Irrenhauses in Venedig ernannt, und ab dem 1. Juli 1873 war er Direktor des Frauenasyls auf der Insel San Clemente, untergebracht im ehemaligen Kloster der Lateranensischen Chorherren der Carità wovon heute nu noch die Kirche erhalren geblieben ist.
Und weiter als großer Musikliebhaber Mitarbeiter der Gazzetta musicale di Milano, veröffentlichte er mehrere Bücher über die Beziehungen zwischen Musik und Psychiatrie: La fisiologia e terapeutica della musica (1887) und Sul magistero fisio‑psicologico dell’armonia (1889). Darin berichtet er von „wunderbaren Heilungen alter Psychopathien durch die Musik“, da „unser Körper ganz zu einem Phonographen wird, in dem die Musik ihre Wonnen niederschreibt“. Gleichzeitig empfahl er jedoch „maßvollen Gebrauch“ von Repression und Zwangsmitteln... darunter der berüchtigten Zwangsjacke.
Verdi und Vigna lernten sich zur Zeit von La traviata (Anfang 1853) kennen -Verdi widmete ihm auch die Partitur- und immer mehr vertieften beiden ihren gegenseitiger Freundschaft, als er sich nach dem anfänglicher Misserfolg der Oper wie elektrisiert an die Arbeit machte um das Stück zu redigieren, bis wie wir es heute kennen, und worüber Vigna einiger Zeit später schrieb, dass viele in Verdis jüngsten Werken neue dramatische Horizonte sähen, während andere „in seinen letzten Produktionen keineswegs eine zweite Manier nach Art der Kritiker erkennen, sondern vielmehr allzu deutliche und offensichtliche Anzeichen eines wirklichen Niedergangs“.
Diese Gegner seien sehr kampfeslustig und ließen keine Argumente gelten, und es war an denen das Vigna sich wandte, und forderte sie -wenn auch ohne Hoffnung- auf, nach dem „so vollen, so glänzenden, so stürmischen“ Erfolg der Wiederaufnahme von La traviata am Teatro San Benedetto (14. Mai 1854, Gazzetta musicale di Milano) ihre Meinung doch zu ändern.
Auch für die kühle Aufnahme von Verdis letzter venezianischer Oper Simon Boccanegra (12. März 1857) hatte Vigna eine Theorie:
„Es ist nun offenkundig, dass eine gegnerische Partei in voller Ordnung organisiert ist um nicht mit bloßen Geschwätzchen und bösartigen Anspielungen (flüchtige und veraltete Mittel), sondern mit Gold, einem logischen Argument erster Kraft zu schaffen.
Ich erfuhr es von einer Person, der ich den Glauben nicht versagen kann. Es waren besonders die dunklen und heimtückischen Machenschaften einiger reicher Israeliten, die eifrig bemüht waren, einen gewissen Maestro Levi (aus dem alten Stamm) zu unterstützen, Autor einer Giuditta, die sofort zusammen mit Oloferne starb und der nun, der Lehre ungedenkt, sein Glück im Theater wieder versuchen will. Und gestern Abend machte gerade ein Judenkerl (der wegen seiner deformen Gestalt den Spitznamen Rigoletto trägt) einen höllischen Lärm und beruhigte sich erst nach einer kräftigen Zurechtweisung durch einen Polizeikommissar“ (Vigna an Verdi, 23. März 1857).
Verdi reagierte glücklicherweise skeptisch: „Bleib nur ruhig, ich nehme mir nichts mehr zu Herzen, weder die vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Juden, noch die bekehrten Feinde, und finde, wie du, die Welt schön schön“ (11. April 1857).
Giuditta von Samuele Levi (Libretto von Giovanni Peruzzini) war am 14. Februar 1844 an der Fenice aufgeführt worden, kurz vor Ernani (9. März 1844), und hatte sechs Vorstellungen.



