Andrea & Clara Maffei

Andrea 

(Molina di Ledro, Trient, 19. April 1798 – Mailand, 27. November 1885)

Gelehrter, Schüler Montis und Versdichter klassizistischer Prägung. Er übersetzte umfangreich aus dem Deutschen (Gessners Idyllen waren 1818 seine erste Übersetzung, später Goethe, das gesamte Theater Schillers, Klopstock und Heine), aus dem Englischen (Miltons Paradise Lost, Shakespeare und Moore), aus dem Französischen (Lamartine) und veröffentlichte 1843 den Roman Roberto.

Maffei, der 1832 die Gräfin Clara Carrara-Spinelli heiratete, war in den 1830er Jahren Ehrenmitglied der Accademia dei Filodrammatici, die Verdi besuchte als er 1834 und 1835 in diesem Theater als Cembalomeister tätig war; vermutlich lernte Verdi ihn jedoch erst später, kennen. (wahrscheinlich um 1842)

In den ersten Jahren (1843 - 1852) bestand zwischen beiden eine herzliche Freundschaft, und Verdi hegte zweifellos große Bewunderung für den Literaten und Mann von Kultur.

Es ist auch möglich, dass Verdi im Sommer 1843 eines seiner Gedichte für die Romanze Cupo è il sepolcro e mutolo, gewidmet dem Grafen Lodovico di Belgioioso, verwendete. Dennoch hinderte dies den Komponisten nicht daran, 1844 eine Anfrage abzulehnen: Die Società dei Nobili wollte anlässlich eines in Mailand stattfindenden Wissenschaftskongresses eine Festkantate in Auftrag geben und beauftragte Verdi über Maffei mit einem Text von Felice Romani.

Emanuele Muzio teilte Barezzi – gewiss im Sinne des Maestro – mit, dass Romanis Dichtung „schön, erhaben wie kaum je; der Hauch des Ewigen, der die Weisheit erschuf“ sei, aber „entschieden nicht vertonbar“: teils freie Verse, teils Terzinen, teils Quartinen, „kein Dialog“, und Verdi könne die Dichtung nicht in Abschnitte teilen, um einmal den Chor, dann die Solisten singen zu lassen; sie müsse „etwas Dramatisches“ haben (an Barezzi, 30.6.1844).

Die Ablehnung beendete die Freundschaft nicht. Im folgenden Jahr veröffentlichte der Verlag Lucca (1845) eine Reihe von Sei Romanze Verdis für Gesang und Klavier, drei davon auf Verse Maffeis: Il tramonto, Ad una stella, Brindisi.

Am 15. Juni 1846 wurde die gesetzliche Trennung der Eheleute Maffei vollzogen, ein Akt, den der Notar Tommaso Grossi in Anwesenheit zweier Zeugen, Giulio Carcano und Verdi, beurkundete. Und wenige Wochen später reisten Verdi und Maffei nach Recoaro und verbrachten dort fast den gesamten Juli. In dieser Zeit, während Verdi am Macbeth arbeitete, kam es gewiss zu fruchtbaren Gesprächen, und Verdi schlug Maffei die librettistische Bearbeitung von Schillers Die Räuber vor, die Maffei gerade übersetzt hatte.

Im Dezember desselben Jahres nahm Maffei einige Anpassungen am von Piave verfassten Macbeth-Libretto vor, insbesondere am Hexenchor (III. Akt) und an der Schlafwandler-Szene (IV. Akt). Diese Eingriffe waren sicher geringfügig, auch wenn Verdi ihre Bedeutung übertrieb und behauptete, „S. Andrea“ habe „fast alles“ geändert (an Piave, 21.1.1847).

Wahrscheinlich bereits Ende 1846, als Verdi noch an Macbeth arbeitete, erhielt er Maffeis neues Libretto, das er – anders als bei anderen Librettisten- ohne jede Diskussion annahm. Und Emanuele Muzio, der gewiss Verdis Meinung wiedergab, schrieb: „Es ist nie ein schöneres Buch geschrieben worden. Die von Romani sind nichts dagegen. Genug zu sagen, dass Maffei der erste Versdichter Italiens ist und sich mit seinen Werken den Ritterorden verdient hat – und, was mehr zählt, viel Geld“ (an Barezzi, 9.11.1846).

Maffeis Verskunst ist stets raffiniert, sein Wortschatz überaus reich, doch zeigt die dramatische Anlage oft die Hand eines Dichters, der mit Versen bestens vertraut war, mit dem Theater jedoch weniger. Nach I masnadieri (22.7.1847) vertonte Verdi keine Verse Maffeis mehr, und die Freundschaft kühlte allmählich ab.

Clara 

(Bergamo, 13. März 1814 – Mailand, 13. Juli 1886)

Elena Clara Antonia Carrara-Spinelli, Tochter des Grafen Giovanni Battista Carrara-Spinelli und der Gräfin Ottavia Gambara, heiratete am 10. März 1832 in S. Maria alla Porta in Mailand der noch nicht achtzehnjähriger Andrea Maffei.

Die Eheleute lebten zunächst in der Contrada dei Tre Monasteri Nr. 1 (heute Via Monte di Pietà), wo sie ab 1834 die bedeutendsten Persönlichkeiten des damalige kulturellen Lebens empfingen und damit den Salon begründeten, wovon behauptet wird das sogar Honoré der Balzac und Emile Zola dort einige malen zu Gast waren.

1842 zogen beiden in den Palazzo Belgioioso, Nr. 2 des gleichnamigen Platzes, neben das Haus Alessandro Manzoni. Und hier betrat Verdi auf Einladung Andreas erstmals den Salon, als dieser noch der Salon des Ehepaars Maffei war, aber bereits im Begriff stand, zum Salon der Gräfin Clara zu werden.

Das passte Andrea zunehmend in den Hintergrund gedrängt durch seine traditionalistische Haltung und pro‑österreichischen Ansichten immer weniger... verlor während Verdi fast wöchentlich (Abbiati) der Salon besuchte auch immer mehr  Einfluss weil er  vor allem durch die wachsende Präsenz Carlo Tencas, der ihn ab 1844 regelmäßig besuchte. einen stets stärker  mazzinianischen und republikanischen Charakter anvgenommen hatte.

Und in dieser Zeit bereits einiger Zeit getrennt lebend -der Tod ihrer einzigen Tochter Ottavia im Alter von neun Monaten und Claras verbindung mit Carlo Tenca hatte die Trenning beschleungt- beschlossem beiden auch zur gesetzliche Trennung die wie bereits oben erwähnt am 15. Juni 1846 vor dem Notar Tommaso Grossi vollzogen wurde und wozu Giulio Carcano und Giuseppe Verdi als Zeugen auftraten.

Während danach Verdis Beziehung mit Andrea -vor allem nach 1848-  zunehmend den Charakter einer formalen Bekanntschaft annahm, vertieften sich seine Kontakte zu Clara, die er regelmäßig besuchte – ab 1850 in ihrem neuen Haus in der Via Bigli Nr. 21 und im Sommer in der Villa Carrara Spinelli in Clusone, wohin Verdi erstmals 1845 reiste: „Clusone ist das Eden… Ich versichere Ihnen, dass ich nie so gut gewesen bin wie in jenen Tagen… Und wie hätte es anders sein können […] mit einer so liebenswürdigen und freundlichen Hausherrin?“ (14.11.1845).

Nach ihrem Tod -1887- schrieb Verdi an die Gräfin Giuseppina Negroni: „Sie hatte so viele Eigenschaften; aber ihre höchste Qualität war Güte und Nachsicht! Unmöglich, mehr davon zu haben! Eine Freundin, die sich in jeder Prüfung bewährte; und bei ihr war man sicher; man brauchte nicht, sich umzusehen! Arme Clarina! Ich werde sie nicht so bald vergessen!!“ (23.7.1886).