Vincenzo Luccardi
Gemona, Udine, 23. Februar 1808 – Genazzano, Rom, 14. November 1876
Bildhauer. Studierte an der Kunstakademie in Venedig, lebte ab 1832 in Florenz und ließ sich 1836 in Rom nieder wo er ab 1865 auch als Professor für Bildhauerei an der Accademia di San Luca wirksam war.
Werke von ihm befinden sich in Rom (Büste des Giovanni da Udine in den Vatikanischen Loggien, Grabmal Vannutelli in der Kirche Santi Apostoli), in Udine (Statue des Aias Oileus im Palazzo Comunale, Il rimorso di Caino im Museo Civico), im Tempietto der Villa Barbaro in Maser (Il Redentore, Madonna del Rosario, San Giovanni Battista) sowie in Wien (Grabmonument für Metastasio in der Minoritenkirche).
In der Galleria d’arte moderna in Udine wird das 1862 von Scipione Vannutelli geschaffen Porträt Luccardi aufbewahrt.
Als leidenschaftlicher Musikliebhaber, besuchte er regelmäßig die römischen Theater und lernte 1844 zur Zeit von I due Foscari (03.11.1844) auch Verdi kennen und wurde so Städtisch einer seiner besten Freunde. So eng war die Freundschaft das die beiden bis zum Tod des Bildhauers (1876) einen regen Briefwechsel miteinander führten.
Und in diesem Sinne wurde Verdi regelmäßig von ihm über Neuigkeiten des Theater- und Musikleben... besonders auch über das Teatro Apollo informiert, und seinerseits interessierte er -Verdi- sich für die Arbeit des Bildhauers. Auch das Thema der italienischen Einheit taucht gelegentlich und stets in einem Ton familiärer Herzlichkeit in der Korrespondenz auf und in dem Verdi den friulanischen Freund oft als „matto“ oder „caro matto“ bezeichnete.
Mitunter beauftragte Verdi Luccardi regelmäßig mit praktischen Erledigungen, etwa damit, ihm eine gute Wohnung zu suchen: „Ein kleines Appartement von zwei oder drei Zimmern nach deinem Geschmack, wobei es mir nichts ausmacht hoch hinauf zu müssen aber wohl mit Sonne: "Ich möchte Sonne ich bin seit zwei oder drei Jahren an das Landleben gewöhnt und Mauern ersticken mich. Sonne Sonne Sonne!…“ (5.11.1852).
Manchmal sprach Verdi auch im Ton eines Befehls, ein Zeichen der gefestigten Freundschaft: „Lass mir das Feuerchen und das kleine Mittagessen vorbereiten und sorge dafür, dass ein Mann, ein Träger, ein Teufel sich an der Poststation von Civitavecchia befindet, um mich zur neuen Wohnung zu bringen. (…) Lass mich im Haus ein gutes Klavier finden. Wenn Jacovacci es gibt, gut; wenn nicht, geh zu einem Händler und nimm das beste: ich bevorzuge französische aufrechte Klaviere; jedenfalls, aus welcher Nation es auch sei, Hauptsache, es ist ausgezeichnet. Bezahle es ordentlich. Es ist gut für deine Köchin, und du wirst bei uns zu Mittag essen sein. Und vergiss nicht, dass wir lachen wollen.“ (6.1.1859).
Anfang 1862 beauftragte Verdi Luccardi von Paris aus um im Hinblick auf La forza del destino für Sankt Petersburg Kontakt mit der Sopranistin Caroline Barbot die damals am Apollo in Rom in Un ballo in maschera sang, aufzunehmen. Luccardi erfüllte den Auftrag vorbildlich so Verdi ihn schrieb... „Mein lieber Matto […] Ich danke dir von Herzen, dass du zur Barbot gegangen bist und die Dinge so ordentlich erledigt hast. […] Danke also, tausend und tausendmal, mein lieber Luccardi, für deine Liebenswürdigkeiten.“ (an Luccardi, 10.3.1862).
Mehrmals besuchte Luccardi das Ehepaar Verdi in Genua oder Sant’Agata. Dort, wo „ein Bettchen für dich immer bereitstehen wird“, und wie Verdi ihm am 10. Juni 1860 schrieb, war er auch sein Jagdgefährte. So informierte Verdi Angelo Mariani einmal: „Luccardi, ein ausgezeichneter Freund von mir, ist auch mein Jagdgefährte, und morgen früh gehen wir zum ersten Mal in den Wald und kommen beladen mit Turteltauben, Amseln, Staren, Gallus petri und auch mit Rebhühnern zurück... was sagst du dazu?“ (9.8.1850).
Ein weiteres gemeinsames Vergnügen in Sant’Agata war das Billardspiel: „Was machst du? Denkst du, auch dieses Jahr eine kleine Reise zu machen, hier vorbeizukommen und wenigstens einen Monat zu bleiben? Die Einsamkeit und die Langeweile sind hier groß, aber schließlich gibt es hier Bücher, gute Betten, Zimmer, in die es nicht hineinregnet, und ein Billard. Ich habe einige Fortschritte gemacht, und du könntest mir dieses Jahr nicht mehr zwölf Punkte geben!!“ (an Luccardi, 4.5.1865).
1867 nahm Luccardi an der Weltausstellung in Paris mit zwei Marmorfiguren: L’Innocenza teil und später vom Tenor Gaetano Fraschini erworben (heute Pavia, Galleria civica), und Il Diluvio universale (Standort unbekannt), mit der er die Goldmedaille und das Kreuz der Ehrenlegion erhielt.
Verdi, der die Statue auf einer Fotografie gesehen hatte, kommentierte: „Sehr schön deine Gruppe, besonders die so sympathische und ausdrucksvolle Gestalt des Mannes. Wenn mir aber eine kleine Bemerkung erlaubt ist, würde ich sagen, dass die Frau, ebenfalls schön, in der Figur ein wenig zu wohlgenährt und ein wenig kühl ist.“ (an Luccardi, 2.5.1866).
1868 schuf Luccardi im Auftrag von Papst Pius IX. das Monumento ai caduti pontifici di Mentana (Rom, Cimitero Pincetto Vecchio im Verano), ein Werk, das sich auf das Gefecht vom 3.11.1867 bezieht, bei dem Garibaldis Männer von französischen und päpstlichen Truppen geschlagen wurden. Sehr wahrscheinlich bezieht sich darauf die Abschwächung von Verdis Wertschätzung gegenüber dem Bildhauer, und bezeugt das durch diese Worte: „Ich bemühe mich so sehr ich kann, mich zu überzeugen, dass du nicht vollständig die Achtung vor mir verloren haben kannst wegen eines Umstands, den meine Lage mich mit großer Abneigung annehmen ließ.“ (Verdi an Luccardi 10.1.1869).
Als Verdi vom plötzlichen Tod Luccardis erfuhr, der in eines kürzlich davor erworbenen Anwesen in Genazzano eingezogen war, schrieb er an Arrivabene: „Ich habe mit tiefem Schmerz die traurige Nachricht vernommen! So noch immer so rüstig… Er war ein Freund seit 32 Jahren; seit ich zum ersten Mal wegen der Foscari nach Rom kam! Wie viel Kraft, wie viel Heiterkeit damals, und nun nichts! Armer Luccardi!“ (19.12.1876).



