I Lombardi (Jérusalem)
Drame en quatre actes (Oper) in 4 Akte (7 Bilder) auf ein Libretto von Alphonse Royer und Gustave Vaëz (eigentlich Jean Nicolas Gustave van Nieuwenhuyzen) nach das Libretto "I Lombardi alla prima crociata" von Temistocle Solera (1842/43) - Uraufführung: 26 November 1847 - in der l'Opéra Salle de la rue le Peletier (Academie Royale de Musique (Paris)
Weitere Aufführungen: 26 e 29 November, 6, 8, 10, 13, 15, 20, 22, 24, 27, 29 Dezember, 1, 9, 12, 17, 21, 23, 26, 31 Januar, 11 Februar, 3 und 27 März 1848.
(Aufführungsdauer ohne Pausen: ca. 2 Stunden 45 Minuten)
Giuseppe Verdis Jérusalem entstand 1847 als Ergebnis eines entscheidenden künstlerischen und biographischen Wendepunkts: der Einladung an den jungen, bereits europaweit beachteten Komponisten, für die Pariser Académie Royale de Musique eine neue Oper zu schreiben. Die Pariser Oper war zu dieser Zeit das prestigeträchtigste Musiktheater Europas, und eine Aufführung dort bedeutete den Eintritt in den internationalen Rang der großen Opernkomponisten.
Verdis Weg nach Paris
Nach dem Erfolg seiner frühen italienischen Werke – insbesondere Nabucco (1842), I Lombardi alla prima crociata (1843) und Ernani (1844) – wurde Verdi zunehmend auch außerhalb Italiens wahrgenommen. 1846 reiste er erstmals nach Paris, wo er die französische Opernästhetik studierte und Kontakte zu führenden Künstlern und Intendanten knüpfte. Die Pariser Oper suchte nach einem Werk, das den Anforderungen der Grand opéra entsprach: fünf Akte (später vier), große Chorszenen, ein umfangreiches Ballett, historischer Stoff, spektakuläre Bühnenbilder und eine dramatische Handlung, die private Konflikte mit politisch‑religiösen Ereignissen verknüpft.
Vom italienischen Lombardi zur französischen Jérusalem
Verdi entschied sich, nicht ein völlig neues Werk zu komponieren, sondern seine erfolgreiche Oper I Lombardi alla prima crociata tiefgreifend zu überarbeiten. Diese Entscheidung war pragmatisch und zugleich künstlerisch ambitioniert:
Die Handlung wurde neu strukturiert,
die Figuren erhielten französische Namen und neue Funktionen,
die Musik wurde umfangreich überarbeitet, erweitert und teilweise neu komponiert, dramaturgische Schwächen des italienischen Originals wurden beseitigt, und die Oper erhielt ein großes Ballett, wie es die Pariser Tradition verlangte.
Die Librettisten Alphonse Royer und Gustave Vaëz schufen ein neues französisches Textbuch, das die Handlung stärker historisch verankerte und den Fokus auf die französische Beteiligung am Ersten Kreuzzug legte. Die Figur des päpstlichen Legaten Adhemar de Monteil und die Verortung des ersten Aktes in Toulouse (1095) sind historisch korrekt; andere Elemente – insbesondere die Liebesgeschichte zwischen Gaston und Hélène – sind dramatische Erfindungen.
Kompositorische Arbeit und ästhetische Anpassung
Verdi arbeitete in Paris unter intensiven Bedingungen: Er studierte die Werke Meyerbeers und Halévys, passte seine musikalische Sprache an die französische Deklamation an, integrierte groß angelegte Chorszenen und Tableaux,und entwickelte eine neue Balance zwischen lyrischen Passagen und dramatischer Wucht.
Die Uraufführung am 26. November 1847 an der Pariser Oper war ein Erfolg und festigte Verdis Ruf als internationaler Komponist. Jérusalem wurde in den folgenden Jahren mehrfach wiederaufgeführt, auch in Italien – dort allerdings meist in italienischer Übersetzung und unter dem Titel Gerusalemme.
Interpreten:
Gaston, Vicomte de Béarn – Tenor (Gilbert‑Louis Duprez) Der Graf von Toulouse – 2. Bass [Bariton] (Charles Portheaut) Roger, Bruder des Grafen – Bass (Adolphe‑Louis‑Joseph Alizard) Adhemar de Monteil, päpstlicher Legat – 2. Bass (Hippolyte Bremont) Raymond, Knappe Gastons – 2. Tenor (Joseph‑Théodore Barbot) Ein Soldat – 2. Bass (F. Prevost) Ein Herold – 2. Bass (Molinier) Der Emir von Ramla – 2. Bass (Guignot) Ein Offizier des Emirs – 2. Tenor (Koenig) Hélène, Tochter des Grafen – Sopran (Élise Julian Van Gelder) Isaure – 2. Sopran (Muller)
Ballett:
Pas de quatre (Louise Fleury, Sofia Fuoco, Maria Jacob, Élisabeth Robert)
Pas de deux (Flora Fabbri, Adeline Plunkett)
Pas solo (Adèle Dumilâtre)
Pas d’ensemble
Ritter, Damen, Pagen, Soldaten, Pilger, Büßer, ein Scharfrichter. Arabische Scheichs, Frauen des Harems, Volk von Ramla.
Der erste Akt spielt in Toulouse im Jahr 1095, nach dem Konzil von Clermont. Die übrigen Akte vier Jahre später, in Palästina.
Szene: Séchan, Diéterle, Edouard Despléchin (Der Palast des Grafen von Toulouse; die Thebais; die Gärten des Serails; das Tal Josaphat und das Panorama von Jerusalem) Charles‑Antoine Cambon, Joseph Thierry (Der Divan des Emirs; der Platz von Ramla)
Kostüme: Paul Lormier Choreographie: Joseph Mazilier
Musikalische Leitung: Giuseppe Verdi
Warum für Paris Jérusalem statt I Lombardi alle prima Crociata?
(Kurze Erläuterung)
Nachdem Verdi nach seinen frühen Erfolgen bereits international bekannt geworden war, wollte auch die Pariser Oper ein Werk des Komponisten als Grand opéra aufführen. Verdi plante darauf zunächst, seine Oper Attila aus dem Jahr 1846 für der Französischer Kulturmetropole umzuarbeiten... entschied sich dann aber für seine in 1843 entstandene Oper I Lombardi alla prima Crociata, wofür die Librettisten Alphonse Royer und Gustave Vaëz (eigentlich Jean-Nicolas-Gustave Van Nieuwenhuysen) verpflichtet wurden, Soleras Libretto in einer französischen Fassung zu überarbeiten. Nach der Meinung Faths wurden dadurch die handelnden Personen glaubwürdiger.
Entstehungsgeschichte (Klicke hier)
Handlung (Klicke hier)
Kommentar (Klicke hier)
Musikwissenschaftliche Aufsätze & Publikationen
Diskographie (Klicke hier)
Besetzung:
Gaston, (Tenor) Vicomte von Béarn
Graf von Toulouse, (Bariton)
Roger, (Bass)Bruder des Grafen
Adhémar von Montheil,(Bass) Gesandter des Papstes
Raymond, (Tenor) Gastons Knappe
Ein Soldat, (Bass)
Ein Herold, (Bass)
Emir von Ramla (Bass)
Ein Offizier des Emirs, (Tenor)
Hélène, (Sopran) Tochter des Grafen von Toulouse
Isaure, (Sopran)
Chor und Orchester:
Chor:
Ritter, Damen, Pagen, Soldaten, Pilger, Büßer, Arabische Scheichs, Haremsdamen und Volk von Ramla.
Ballet:
Besetzung unbekannt.
Orchester:
2 Querflöten (2. auch Piccoloflöte), 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Cornet's à pistons, 2 Trompeten, 3 Posaunen, 1 Ophikleide - Pauken, Schlagzeug. (1 große - 1 kleine Trommel, 1 paar Becken, 1 Triangel, 1 Tamtam)
Orgel.
1 Harfe.
Streicher. (1. und 2. Violinen, Bratschen Violoncellos, Kontrabässe)
Bühnenmusik:
Hinter der Szene: Trompeten; (anzahl nicht vermerkt) Auf der Bühne: kleine Saxhorn, Alt-Saxhorn, Tenor-Saxhorn, Bariton-Saxhorn, Bass-Saxhorn, Kontrabass-Saxhorn, 4 Hörner, 2 Cornet's à pistons, 1 Cornet à cylindre, 3 Posaunen, 1 Ophikleide, 1 kleine Trommel



