Tito Ricordi
Tito Ricordi (Mailand, 29. Oktober 1811 – Mailand, 7. September 1888) war der älteste Sohn des Verlagsgründers Giovanni Ricordi und eine der prägenden Persönlichkeiten der italienischen Musikverlagsgeschichte des 19. Jahrhunderts. Und in diesem Sinne führte er die Casa Ricordi von 1853 bis 1888 und formte sie zu einem europaweit agierenden Kulturunternehmen.
Frühe Jahre und Ausbildung
Tito Ricordi wuchs in einem Umfeld auf, das vollständig von Musik, Theater und Druckkunst geprägt war. Bereits 1825 trat er als Graveur, Kupferstecher und Lithograph in das väterliche Unternehmen ein; parallel dazu erhielt er eine fundierte musikalische Ausbildung und war Schüler von Francesco Pollini und Antonio Angeleri.

Seine pianistische Begabung führte ihn früh in die europäischen Musikzentren, wo er Persönlichkeiten wie Schumann, Liszt und Meyerbeer begegnete.
Aufstieg in der Casa Ricordi
Nach dem Tod seines Vaters 1853 übernahm Tito die Leitung des Verlags... so gelang es unter seiner Führung die bereits bestehende enge Beziehung mit Giuseppe Verdi fortzuführen, zu festigen und sich Verträge zu sichern bezüglich die Opern I vespri siciliani (1855) Simon Boccanegra (1857) und Un ballo in maschera (1859)
Diese Zusammenarbeit war entscheidend für die internationale Positionierung des Verlags.
Publizistische und kulturelle Initiativen
Tito Ricordi war nicht nur Verleger, sondern auch Kulturorganisator... auch baute er die durch sein Vater 1842 gegründete Gazzetta Musicale di Milano aus zu die erste italienische Musikzeitschrift, die sich auch der Musikkritik widmete, und wurde so zu dass zentralen Forum des italienischen Musiklebens.
Società del Quartetto (1863)
Tito gehörte auch zu den Mitbegründern der Società del Quartetto, einer Institution, die das Kammermusikleben Mailands nachhaltig prägte.
Technische und organisatorische Modernisierung
Tito Ricordi war ein Innovator. Er erkannte früh die Bedeutung moderner Drucktechniken und schickte Mitarbeiter ins Ausland, um neue Verfahren zu studieren:
1871: Giulio Ricordi nach Deutschland zur Ausbildung in grafischer Illustration
1884: Giuseppe Pollini nach Paris zur Erkundung neuer Druckmaschinen
Diese Initiativen führten zur Einführung der Zinkografie und der Fotoincisione, die die Produktion von Notenmaterial revolutionierten.
Expansion des Verlags
Unter Tito Ricordi wuchs das Unternehmen zu einem europaweit vernetzten Verlag; dass geschah vor allem auch durch es eröffnen/oder übernehmen von neue Niederlassungen/bestehende Verlasge in Neapel (1864), Florenz (1865) Rom (1871) London (1875) Palermo und Paris (1888). Zudem kaufte er mehrere kleinere Verlage, darunter Fratelli Clausetti (1864), Guidi (1887) und schließlich der wichtigster Konkurent Lucca (1888), wodurch Ricordi das Recht erhielt, Wagner in Italien zu veröffentlichen.
Durch diese Übernahmen stieg die Zahl der Ricordi-Publikationen auf rund 94.000 Werke.
Beziehung zu Komponisten
Tito Ricordi pflegte enge persönliche und berufliche Beziehungen zu den bedeutendsten Komponisten seiner Zeit: Giuseppe Verdi, Giacomo Meyerbeer, Franz Liszt und viele anderen.m Seine Fähigkeit, künstlerische und geschäftliche Interessen zu verbinden, machte ihn zu einem der einflussreichsten Musikverleger Europas.
Tito Ricordi starb 1888 in Mailand und wurde im Cimitero Monumentale beigesetzt. Die Leitung des Verlags ging an seinen Sohn Giulio Ricordi, der das Unternehmen in eine neue Epoche führte.



