Inno delle Nazioni
Kantate für Tenor (oder Sopran), Chor (S. A. T. Bs) und Orchester in D‑Dur (Tenorumfang: d² – h³) Text: Arrigo Boito, Komponiert: 1862 für die Weltausstellung in London.
Besetzung: Piccolo, 2 Flöten, 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Fagotte, 4 Hörner, 2 Trompeten, 3 Posaunen, Cimbasso, Pauken, große Trommel, Becken, Schlagwerk, 2 Harfen und Streicher
Autograph: London, British Library
Uraufführung: London, Her Majesty’s Theatre, 24. Mai 1862; Sopran Therese Tietjens; Orchester unter Luigi Arditi
Erstausgabe: Ricordi, Mailand, Juni 1862 (Gesang & Klavier); gleichzeitig erschienen bei Cramer, Beale & Wood (London) und Léon Escudier (Paris)
Kritische Ausgabe: Roberta Montemorra Marvin, University of Chicago / Casa Ricordi, Chicago–Mailand 2007 (Serie IV)
Historischer Kontext;
Für die Eröffnungsfeier der Weltausstellung für Industrie und Kunst (London, 1. Mai 1862) hatte die derzeitige Ausstellungsorganisation die vier zurzeit berühmteste Komponisten beauftragt, je ein repräsentatives Werk zu schreiben: Und dabei handelte es sich um...
Daniel Auber (Frankreich): Ouverture pour l’Exposition de Londres
Giacomo Meyerbeer (Deutschland): Festival Overture in March Style
William Sterndale Bennett (Großbritannien): Exhibition Ode (Text: Alfred Tennyson)
und
Giuseppe Verdi (Italien): Inno delle nazioni.
Verdi, gerade wegen der abgesagten "La forza del destino"‑ Uraufführung aus St. Petersburg nach Paris zurückgekehrt, hatte dafür eine Kantate über die Freundschaft der Nationen Italien–England–Frankreich geplant und dafür der erst kürzlich kennengelernte 20 Jahr alte Arrigo Boito gebeten, dafür der Text zu verfassen. Und darüber hinaus hatte Verdi die absicht, Enrico Tamberlick, den Tenor der Forza del destino zu bitten die Tenorpartie auf sich zu nehmen.
Die Uraufführung war für den 1. Mai vorgesehen, so Verdi am 5. April die Partitur an die königlichen Kommissare zusandte. Als er dann aber am 20. April selbst in London eintraf und dort das die Aufführung nicht stattfinden könne weil sich herausgestellt hatte dass 20 Tage Probe zu gering waren, Und Verdi darüber verärgert, zumal er Musik „für den Anlass“ verachtete:
„I pezzi di circostanza sono, artisticamente parlando, cose detestabili.“ (2.5.1862)
Und an Léon Escudier schrieb er:
„Ich, der nie Kantaten, Hymnen oder Märsche geschrieben hat; ich, der alle Gelegenheitsstücke verabscheut und verachtet – stellt euch vor, wie froh ich bin, mich so billig davongemacht zu haben!“ (24.4.1862)
bat darauf die Organisation die Aufführung nicht weiter stattfinden zu lassen. Nach der Eröffnung kritisierten englische und italienische Zeitungen die Entscheidung, besonders der Morning Post, der sogar von einer „Verletzung internationaler Höflichkeit“ sprach.
Schließlich kam es aber doch zur Aufführung, da aber Tamberlick nicht verfügbar war, sang Therese Tietjens, demzufolge Verdi dafür kleine Änderungen an Musik und Text vornehmen muste.
Und Verdi später darüber... n„Sie ist zwei Abende lang aufgeführt und stets wiederholt worden. Heute wird sie in einem Morgenkonzert gespielt; morgen Abend wieder im Theater. Alle Zeitungen, große und kleine, haben gut darüber gesprochen.“ (30.5.1862)
Aktuelle Forschung (Stand 2026)
1. Neue Quellenfunde zu Boitos Textentwürfen (2023)
Emanuele d’Angelo veröffentlichte 2023 zwei unbekannte Verdi‑Autographe aus Boitos Nachlass, darunter Material zum poetischen Text des Inno delle nazioni. Diese Funde erlauben erstmals Einblicke in Boitos frühe Textvarianten und Verdis Eingriffe.
2. Politische Rezeption im 20. Jahrhundert
Roberta Montemorra Marvin analysiert in The Politics of Verdi’s Cantica (2025) die politische Instrumentalisierung der Hymne, besonders durch Arturo Toscanini im Zweiten Weltkrieg, wo das Werk als „Waffe der Kunst“ gegen Faschismus und Nationalsozialismus eingesetzt wurde.
3. Editionslage
Die kritische Ausgabe Marvin (2007) bleibt die maßgebliche Edition.



