Bartolomeo Merelli

(Bergamo, 19. Mai 1794 – Mailand, 3. oder 4. April 1879)

Merelli studierte Musik bei Johann Simon Mayr und war dort auch Mitschüler von Gaetano Donizetti, für den er einige Libretti verfasste. Ab 1830 begann er dann als Theateragent zu arbeiten... so war er von 1836 bis 1848 Impresario des Kärntnertortheaters in Wien und von 1836 bis 1850 des Teatro alla Scala in Mailand.

Merelli war es auch der Verdis Operndebüt mi Obero conte di san Bonifacio ermöglichte und worüber Verdi dreißig Jahre später in einem Brief an sein Freund Conte Opprandino Arrivabene schrieb:

„Meine Oper Oberto sollte im Frühjahr 1839 zugunsten des Pio Istituto Filarmonico aufgeführt werden. Peppina (Giuseppina Strepponi) Ronconi und Moriani sollten sie singen … Die Rollen waren also bereits  bereits verteilt, als Moriani schwer erkrankte und nicht mehr singen konnte. Aber am Ende der Spielzeit kam eines schönen Morgens ein Diener des Theaters zu mir und sagte, Merelli wolle mit mir sprechen. Ich hatte noch nie mit Merelli gesprochen und glaubte, es handele sich um ein Missverständnis, ging aber dennoch hin. Merelli sagte mir genau diese Worte: ‚Ich habe von Strepponi und Ronconi viel Gutes über Ihre Oper gehört. Wenn Sie sie für Marini, Salvi usw. adaptieren möchten, werde ich sie ohne jegliche Kosten für Sie aufführen lassen. Wenn die Oper gefällt, werden wir sie verkaufen und den Erlös teilen; wenn sie nicht gefällt, umso schlimmer für Sie und für mich!!‘

Das war in Ordnung, und so kam es auch…“ (an Arrivabene, 7.3.1874). Die Partitur wurde daraufhin an den Verleger Ricordi abgetreten, der ein Vorrecht auf alle an der Scala aufgeführten Werke besaß, und Merelli teilte den Erlös zur Hälfte.

Angesichts des Erfolgs von Oberto, Conte di San Bonifacio wandte sich Merelli für die Herbstsaison 1840 erneut an Verdi mit dem Auftrag, diese Oper wieder auf die Bühne zu bringen; dann änderte er jedoch seine Meinung und entschied sich am 20. Juni für eine neu zu  komponieren Opera buffa. Es sollte Un giorno di regno (Il finto Stanislao) sein (UA: 5.9.1840) wofür de junge Komponist nur etwa zwei Monate Zeit für die Komposition hatte...  eine übrigens für ihn besonders schwierige Zeit da am 18. Juni seine Frau Margherita verstorben war. Eine gewisse garantie für erneut eine Erfolgreiche Oper war also nicht gegeben. Schlimmer... es gab nur eine einzige Aufführung, und an ihrer Stelle wurde Oberto mit gutem Erfolg erneut aufgeführt. (17 Vorstellungen).

Nach dem „Autobiografischen Bericht“, den Giulio Ricordi am 19. Oktober 1879 aufzeichnete und in Arthur Pougins Vita aneddotica einfügte, hielt Merelli zu diesem Zeitpunkt noch immer den unmittelbar nach Oberto unterzeichneten Vertrag in der Hand, der drei Opern jeweils im Abstand von acht Monaten vorsah.. Verdi jedoch, angewidert von den Geschehnissen, verlangte die Auflösung des Vertrags aber auf Drängen Merellis hin und fast widerwillig nahm Verdi das Libretto von Nabucco zur Hand, war davon begeistert und beschloss, das Abenteuer Theater doch erneut zu wagen.

Tatsächlich existierte dieser Vertrag wahrscheinlich gar nicht; Verdi beschäftigte sich weiterhin mit dem Theater (indem er Oberto am 9. Januar 1841 in Genua erneut inszenierte) und begann vermutlich Anfang Februar mit der Komposition von Nabucco. Aus verschiedenen Gründen ist anzunehmen, dass es keine konkrete schriftliche Verpflichtung seitens Merelli gab, diese Oper auf die Bühne zu bringen – wenn nicht vielleicht ein vages Versprechen –, und tatsächlich war Nabucco nicht vorgesehen, als am 21. Dezember 1841 das Programm für die Karnevals- und Fastenzeit veröffentlicht wurde. Erst nach Verdis beharrlichem Drängen und angesichts der Möglichkeit, die Inszenierungskosten durch die Wiederverwendung der Kulissen und Kostüme aus dem Ballett Nabuccodonosor von Antonio Cortesi (Scala, 27.10.1838) zu senken, änderte Merelli seine Meinung, und die Oper feierte am 9. März 1842 ihre glorreiche Uraufführung.

Erst zu diesem Zeitpunkt wurde wahrscheinlich der Vertrag mit Merelli unterzeichnet, auf den Verdi selbst in einem Brief an Arrivabene aus dem Jahr 1874 anspielt: „

Bei der zweiten Aufführung, zur Zeit des Balletts, kam Merelli in die Garderobe der Peppina mit einem bereits von ihm unterzeichneten Vertrag, in dem nur noch der von mir selbst festgelegte Preis fehlte“ (an Arrivabene, 7.3.1874). Wenn es bereits einen Vertrag gab, wie ist es dann denkbar, dass Merelli, ein kluger Geschäftsmann, einen neuen vorschlug – und zwar für einen sehr hohen Betrag von 8.000 oder vielleicht sogar 9.000 österreichischen Lire? Sicherlich gab es keinen Vertrag, und erst in diesem Moment wurde Verdi für die vierte Oper an der Scala engagiert, nämlich I lombardi alla prima Crociata (UA: 11.2.1843).

Während Verdi, mittlerweile ein erfolgreicher Opernkomponist, Vereinbarungen mit anderen Theatern und Impresari traf – in Venedig und Rom –, führten die Beziehungen zu Merelli zur fünften Scala-Oper, Giovanna d’Arco (UA: 15.2.1845), die das Ende der Zusammenarbeit markierte.

Die Grenzen von Merellis Management, der mehr auf den Namen der Sänger als auf die Qualität der Aufführung und der Inszenierung achtete, verärgerten Verdi, und er deswegen beschloss, keine weiteren Beziehungen zu Merelli zu unterhalten und keine weiteren Opern mehr für die Scala zu schreiben. Doch vielleicht gab es noch einen weiteren Grund: eine ebenfalls angespannte Beziehung zum Verleger Ricordi, an den Merelli die Rechte an Giovanna d’Arco abgetreten hatte – wahrscheinlich, ohne dies zuvor mit Verdi zu besprechen –, während Verdi gerade in dieser Zeit Vereinbarungen mit dem Verleger Francesco Lucca traf.

Merelli behielt die Leitung der Scala bis 1850, übernahm sie dann 1861 erneut, zog sich jedoch 1863 nach einem finanziellen Zusammenbruch ins Privatleben zurück.