Giuseppina Appiani

Mailand, um 1795 – nach 1865

Tochter des Advokaten Antonio Strigelli (1755–1835), der zur Zeit des von Napoleon gegründeten Königreichs Italien (1809–1814) Staatssekretär des Reichs war und in dieser Qualität in Mailand in der Borgo Montforte – wahrscheinlich mit der Nummer 251 – ein Haus besaß, wo er als großer Musikliebhaber regelmäßig Hauskonzerte abhielt und auch öfters wichtige Künstlerpersönlichkeiten als Gast einlud. So beherbergte er während dessen Zeit der La Sonnambula öfters Vincenzo Bellini und pflegte ab 1841 auch eine herzliche Freundschaft mit Gaetano Donizetti, der damals wohl wichtigster Opernkomponist überhaupt.

Im gegensatz zu Ihr Vater gibt es über Giuseppina selbst keine sehr präzisen Informationen... wohl ist historisch belegbar, dass sie mit Raffaele Appiani, möglicherweise einem Sohn oder jüngeren Bruder des bekannten Malers Andrea Appiani (1754–1817), verheiratet  war, d. h. nach seinem Tod mit mehreren Kindern, wahrscheinlich sechs in Mailand lebte. Und unter diesen befand sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch der ebengfalls Maler Andrea Appiani der Jüngere (1817–1865), ebenfalls Maler, so wie gesagt  vier/fünf Töchter; eine von ihnen, Eugenia (1828 – nach 1870), Pianistin und Komponistin, mit der Verdi brieflich in Kontakt stand und die unter anderem die Verfasserin einiger bei Ricordi veröffentlichter Klavierfantasien über Themen aus Rigoletto ist.

Mit Giuseppina Appiani verkehrte Verdi in den Jahren nach Nabucco ebenfalls regelmäßig... bis 1854 war auch die Rede von einer brieflichen Verbindung... darüber hinaus von einigen leider schwer zu interpretierenden undatierten Zetteln (wahrscheinlich aus dem Jahr 1843), die Verdi an Sie schickte: „Va bene: io andrò alle tre; ma ho bisogno ora di sapere dove devo andare. Intanto, mille grazie. Scriva.“ („Gut: Ich werde um drei Uhr kommen; aber ich muss jetzt wissen, wohin ich gehen soll. Inzwischen tausend Dank. Schreiben Sie.“)

Einige Verdi‑Biografen, insbesondere Carlo Gatti und Franco Abbiati, haben auf Grundlage dieses und anderer ähnlich lautender Zettel eine Beziehung zwischen Verdi und Appiani vermutet mit dem Versuch, die biografische Lücke zu füllen, die die ersten Mailänder Jahre Verdis kennzeichnet und dabei sogar eine Rivalität zwischen ihm und Donizetti anzunehmen.

Es gibt aber keinerlei stichhaltige Grundlage, um eine solche These bestätigen zu können.