Sei (6) romanze (1845)
bilden Verdis zweiter Liederzyklus nach der Zyklus aus 1838 und zeigen ein Komponisten, der sich mitten in seiner frühen Opernkarriere befindet, d h. Giovanna d’Arco, Alzira, Attilla und bald MACBETH. Darüber hinaus zeigt der Zyklus wie sich parallel die Gattung des italienischen Kunstliedes weiterentwickeln kann wenn sich ein Genie wie Verdi damit auseinandersetzt.
Wie auch 1838 handelt es sich erneut um sechs Lieder...

Ad una stella -Text: Andrea Maffei, Il tramonto – Text: Andrea Maffei, La zingara – Text: Manfredo Maggioni, Il mistero – Text: Felice Romani, Lo spazzacamino – Text: Felice Romani, Brindisi – Text: Andrea Maffei
die wie auch die sechs Lieder aus 1838 für Singstimme und Klavier komponiert wurden ; auch gehören sie zur Gattung der italienischen "Romanze da camera", der kunstvollen, salonfähigen Liedform des 19. Jahrhunderts.
Diese Sei Romanze unterscheiden sich jedoch trotzdem deutlich von der früheren Zyklus (1838) durch eine reifere melodische Sprache... So schreibt Verdi breitere melodische Bögen, die bereits an seine Opern von um 1850 und sogar später er erinnern. Auch sind die Lieder weniger salonhaft und stärker dramatisch gefärbt.
Deutlich differenzierte Charaktere
a. lyrisch, kontemplativ, fast schon „notturno“-artig.
b. elegisch, mit einer für Verdi typischen Mischung aus Ruhe und innerer Spannung.
c. lebhaft, fast volkstümlich, mit rhythmischem Schwung.
d. geheimnisvoll, dunkel, mit harmonischen Überraschungen.
e. humorvoll, erzählerisch, fast eine kleine Szene.
f. brillant, festlich... ein typisches „Brindisi“ im Keim, wie Verdi es später in La Traviata perfektionieren sollte.
Pianistische Begleitung
Auch die Klavierpartien sind deutlich anspruchsvoller als 1838: mehr Figuration, mehr harmonische Bewegung, mehr dramatische Akzente.
Textdichter und literarischer Kontext... der Auswahl der Dichter ist bemerkenswert:
Andrea Maffei (Freund Verdis, später Librettist von I masnadieri) liefert die poetischsten und musikalisch ergiebigsten Texte. Felice Romani, der große Librettist der Bellini‑Zeit, bringt eine klassizistische Eleganz ein. Manfredo Maggioni steht für eine leichtere, volkstümliche Note.
Die Kombination dieser drei Autoren zeigt Verdis Suche nach stilistischer Vielfalt und Historische Bedeutung
So sind die Sei Romanze von 1845:
Verdis letzte große Liedersammlung, ein Scharnier zwischen Frühwerk und mittlerer Opernphase, mit ein Experimentierfeld in dem dramatische Charaktere im Miniaturformat erprobt werden.
Besetzung:
Sopran/Tenor und Klavier.
Entstehung, Autograph und Ausgaben: vor 1845. Autograph: Mailand, Verlags-Archiv Ricordi – Ausgaben: Mailand: Lucca [1845], Nr. 5640–5645; Composizioni da camera per canto e pianoforte, Mailand: Ricordi 1935, Nr. 123381.
Musikwissenschaftliche Aufsätzen & Publikationen, können gerne bei das Stiftungssekretariat (sekretariat@ igvs.eu) eingereicht werden.
Aufführungsdauer: Ca. 25 Minuten.
Diskographie: wird so bald wie möglich hier veröffentlicht.



