P. Baistrocchi, F. Provesi , V. Lavigna
Don Pietro Baistrocchi (Sant’Agata, um 1743 – Frescarolo di Busseto, 2. Mai 1823)
Priester, Schulmeister und dilettierender Organist der Kirche San Michele Arcangelo in Le Roncole; er war Verdis erster Elementarlehrer, brachte ihm Lesen ud Schreiben bei, vermittelte ihm grundlegende Kenntnisse des Lateinischen und übte ihn im Orgelspiel.
Bereits um 1821 konnte der Junge Verdi ihn gelegentlich an der Kirchenorgel vertreten.
Nach Baistrocchis Tod folgte ihm der Dilettant Donnino Mingardi als „Hauptorganist“ nach, während dem zehnjährigen Verdi die Rolle des „Organisten auf Teilzeitbasis“ übertragen wurde.
Don Ferdinando Provesi (Parma, 20. April 1770 – Busseto, 26. Juli 1833)
Komponist, Musikpädagoge; er war Organist in Soresina und in Cremona, ab 1820 Kapellmeister und Organist der Kollegiatkirche S. Bartolomeo in Busseto und ab 1821 Lehrer an der Musikschule des Monte di Pietà, die auch jungen Bedürftigen, einschließlich Mädchen, offenstand und deren Unterricht Provesi in seiner eigenen Wohnung abhielt.
Er leitete außerdem die Società Filarmonica, die ihren Sitz im Haus von Barezzi hatte. Den Schülern der Musikschule erteilte er auch Philosophieunterricht und ab 1823 lehrte er Humanistik und Rhetorik am Gymnasium; zudem beschäftigte er sich mit Dichtung und komponierte mehrere Werke, zu denen er auch die Libretti verfasste und die in Busseto aufgeführt wurden (die Opera seria La clemenza di Cesare und die Opern buffe L’ebrea di Livonia, Euriso e Camilla, Le nozze campestri), Instrumentalmusik sowie zahlreiche geistliche Musikstücke, darunter eine Messa da requiem.
Er war der bedeutendste Musiklehrer und der einzige professionelle Musiker, den Verdi vor seinem Umzug nach Mailand und beginnend ab 1825 hatte. Die Manuskripte vieler Kompositionen von Provesi, vor allem geistlicher Werke, sind erhalten; in ihnen finden sich Eingriffe, teils umfangreiche, die von Verdi stammen, der ab Ende 1829 nicht nur Schüler, sondern auch Mitarbeiter Provesis wurde.
Nach dem biografischen Abriss von Demaldè soll er dem jungen Verdi geschrieben haben:
„Wisset, mein Sohn, dass, wenn Ihr Euch wie bisher meinen Lektionen widmet, Ihr ein ausgezeichneter Meister werden werdet; so viel könnte ich nicht für die Wissenschaften voraussagen, nicht aus Mangel an Talent, sondern wegen der übermäßigen Liebe, die Ihr zur Musik habt.“
Mit seinem Tod stellte sich die Frage der Nachfolge, die nach vielen Auseinandersetzungen dadurch gelöst wurde, dass die Aufgaben des Organisten und des Kapellmeisters getrennt wurden (sie wurden ohne Ausschreibung Giovanni Ferrari übertragen) und jene des Musikmeisters, die Verdi am 5. März 1836 nach einer regulären Prüfungsabnahme erlangte.
Vincenzo Lavigna (Altamura, Bari, 21. Februar 1776 – Mailand, 14. September 1836)
Komponist; er studierte in Neapel bei Fedele Fenaroli und Saverio Valente und begann seine erfolgreiche Laufbahn als Opernkomponist 1802 an der Mailänder Scala mit einer komischen Oper, La muta per amore, einem Genre, in dem er sich bis 1810 weiter betätigte. Von 1802 bis 1832 war er maestro al cembalo am Teatro alla Scala, von 1822 bis zu seinem Tod unterrichtete er Theorie und Solfege am Konservatorium von Mailand.
Im August 1832 begann er, Verdi in seiner Wohnung in der Porta Nuova Nr. 641 Privatunterricht zu erteilen, und Giuseppe Seletti erstattete kurz darauf Barezzi Bericht darüber: „Schon fünf Lektionen hat er erhalten, und jede von eineinhalb Stunden. Lavigna scheint äußerst bemüht zu sein und hat sowohl mir gegenüber als auch gegenüber Dr. Frigeri geäußert, dass Verdi viel studiere und dass er sich eine gute Entwicklung verspreche. […] Kurz, alles lässt unter jeder Hinsicht gute Hoffnungen zu.“ (8.8.1832)
Nach zwei Jahren Studium stellte Lavigna folgendes Zertifikat aus: „Ich erkläre, dass Herr Verdi in diesen Studien lobenswerte, ja ausgezeichnete Fortschritte gemacht hat und weiterhin macht, weshalb es mir sehr angenehm ist, ihm ein solches Zeugnis auszustellen, umso mehr, als der vorgenannte Herr Verdi auch wegen seiner sittsamen Lebensführung nicht geringere Anerkennung verdient.“ (24.2.1834)
Viele Jahre später präzisierte Verdi gegenüber sein Freund Francesco Florimo: „Lavigna war im Kontrapunkt sehr stark, etwas pedantisch, und sah keine andere Musik als die von Paisiello. Ich erinnere mich, dass er in einer Sinfonie, die ich machte, mir die gesamte Instrumentation nach Art Paisiellos korrigierte. Da wäre i ch schön dran gewesen, sagte ich mir, und von diesem Moment an zeigte ich ihm nichts mehr von idealer Komposition; und in den drei Jahren, die ich bei ihm verbrachte, habe ich nichts anderes gemacht als Kanons und Fugen, Fugen und Kanons in allen Variationen. Niemand hat mir die Instrumentation und die Art, dramatische Musik zu behandeln, beigebracht. Das also war Lavigna. […] Ich wiederhole euch: er war gelehrt, und ich wünschte, alle Lehrmeister wären so.“ (9.1.1871)
Bemerkenswert ist, dass in diesem Brief keinerlei Bezug auf Mozarts Don Giovanni erscheint, der gewiss ein gutes Modell der Instrumentation hätte sein können und der nach der Aussage von Folchetto eine regelrechte Fixierung Lavignas war (vgl. Wolfgang Amadeus Mozart).
Als sich Verdi 1883 mit der Reform der Musikstudien an den Konservatorien befasste, schrieb er in einer Notiz für Giuseppe Piroli, dass er nach dem Vorbild der alten neapolitanischen Konservatorien „insgesamt eine praktische, solide, ernsthafte Ausbildung ohne Übertreibungen“ erhoffe, „ohne der Einbildungskraft der jungen Leute zu gestatten, sich Idole zu schaffen, die sie später nachahmen; dies erzählte mir mein Lehrer, der ein Schüler der Großen Schule, derjenigen Fenarolis, gewesen war.“ (21.1.1883)



