Vincenzo Jacovacci
(Rom, 14. November 1811 – Rom, 30. März 1881)
Ursprünglich Besitzer einer Fischhandlung, begann Jacovacci 1835 seine Tätigkeit als Theaterimpresario mit der Leitung des Teatro Fiano in Rom. In der Folge übernahm er nacheinander mehrere bedeutende römische Bühnen: ab 1838 das Teatro Valle, ab 1840 das Teatro Apollo und ab 1846 auch das Teatro Argentina. Darüber hinaus führte er die Fenice in Senigallia und war 1880, im Jahr der Eröffnung, auch für die Leitung des Teatro Costanzi in Rom verantwortlich.
Jacovacci, in Rom als „Sor Cencio“ bekannt, verfolgte eine für seine Zeit ausgesprochen moderne und zugleich risikofreudige impresariale Strategie. Und deswegen versuchte er alle für die Produktion eines Spektakels notwendigen Elemente selbst zu kontrollieren, um die Unsicherheiten externer Vergaben zu vermeiden Auch war er berühmt für seine Fähigkeit, kurzfristig Lösungen zu finden... oft unter den schwierigen Bedingungen der Zensur.
Verdi arbeitete vielfach mit ihm zusammen, insbesondere bei den Uraufführungen von Il trovatore und Un ballo in maschera. Über Jacovacci schrieb er: „Jacovacci è fino, attivo, e, se fosse meno spilorcio, buon Impresario“ (an De Sanctis, 7. 3. 1859). Nach der Aufführung von La forza del destino am Apollo in Rom (als Don Alvaro, 7. 2. 1863, zensiert) bemerkte Verdi gegenüber Luccardi: „Se l’opera è andata a Roma abbastanza bene, avrebbe potuto andare mille volte meglio se Jacovacci potesse una volta mettersi bene in testa che per avere dei successi ci vogliono, ed ‘opere adatte agli artisti’, od artisti adattati alle opere“ (17. 2. 1863).
Viele Jahre später schilderte Verdi Jacovaccis Mischung aus Sparsamkeit und Improvisationskunst mit deutlicher Ironie. In einem Brief an Torelli (13. 9. 1872) erinnerte er sich an die Produktionen des Trovatore und des Ballo in maschera, bei denen Jacovacci stets mit der Formel „Ho il primo insieme del mondo“ prahlte, während Verdi tatsächlich nur über wenige gute Sänger, schwache Chöre, eine schlechte Orchesterbesetzung sowie bescheidene Szenarien und Kostüme verfügte.
Trotz des Erfolgs hielt Verdi ihm nach der dritten Aufführung vor: „Vedi! cane d’un Impresario se avessi avuto un insieme buono quale successo!“ Jacovaccis Antwort – „Il teatro è pieno tutte le sere. L’anno venturo troverò le donne buone: così l’opera sarà ancora nuova pel pubblico“ – kommentierte Verdi als typische „risposta da bottegajo“, die dem künstlerischen Anspruch nicht gerecht werde.



