Benjamin Lumley

(London, 1811 – ebenda, 17. März 1875)

Benjamin Lumley, ursprünglich Benjamin Levy, war ein englischer Anwalt und später einer der einflussreichsten Opernimpressarios des viktorianischen London. Nach juristischer Ausbildung und ersten Tätigkeiten als Berater des Theaterdirektors Pierre Laporte übernahm er 1842 die Leitung des Her Majesty’s Theatre, das unter seiner Führung zu einem der wichtigsten Zentren der italienischen Oper in England wurde.

Und durch dieser Führungskraft konnte er nicht nur zahlreiche herausragende Künstler seiner Zeit, darunter Jenny Lind, Giulia Grisi, Rubini, Tamburini, Lablache sowie die Dirigenten Michael Costa und Michael Balfe für Auftritte in sein Haus verpflichten, sondern auch erstmals bereits bekannt geworden italienische Opern auf die Londoner Bühne bringen...  darunter von Verdi Ernani (1845), Nabucco (1846), I Lombardi alla prima Crociata (1846) und die Uraufführung von I masnadieri (1847).

Während Verdis Aufenthalt in London (1847) bot Lumley ihm sogar die musikalische Leitung des Hauses an, doch die Offerte blieb ohne Ergebnis – sowohl wegen Verdis hoher finanzieller Forderungen als auch wegen seiner Verpflichtungen gegenüber dem Verleger Lucca.

Besondere Bedeutung gewann unter Lumley das Ballett, vor allem durch die Zusammenarbeit mit Jules Perrot als maître de ballet, Choreograf und Tänzer. So entstanden in dieser Zeit einige der berühmtesten Ballette des 19. Jahrhunderts, darunter Esmeralda (1844) mit Carlotta Grisi, das legendäre Pas de quatre (1845) mit Maria Taglioni, Fanny Cerrito, Carlotta Grisi und Lucille Grahn, sowie Les quatre saisons (1848), alle mit Musik von Cesare Pugni.

Ab Mitte der 1850er Jahre geriet Lumleys Theate insbesondere durch die Konkurrenz des am Covent Garden neu organisierten Royal Italian Opera House. zunehmend unter Druck.  Zu seinen letzten bedeutenden Produktionen gehörten La traviata (1856) und Luisa Miller (1858), beide mit Marietta Piccolomini. Die Saison 1858 war aber trotzdem seine letzte: Aufgrund erheblicher finanzieller Schwierigkeiten gab Lumley die Leitung des Theaters auf und kehrte in seinen ursprünglichen Beruf als Anwalt zurück.

1864 veröffentlichte er in London seine Memoiren Reminiscences of the Opera... eine wichtige Quelle zur Opern- und Theaterpraxis des 19. Jahrhunderts.