Entstehungsgeschichte

Nach dem Tod Alessandro Manzonis am 22. Mai 1873, der im Italien des 19. Jahrhunderts als der wichtigste Schriftsteller und zugleich als moralische Ikone galt – und zudem ein überzeugter und praktizierender Katholik war –, beschloss Giuseppe Verdi, der Manzoni über alles verehrte, zu dessen Ehren eine groß angelegte Totenmesse zu komponieren.

So entstand zwischen dem Sommer 1873 und April 1874 die Messa da Requiem, ein Werk von außergewöhnlicher emotionaler und musikalischer Spannweite. Uraufgeführt wurde die Messa am 22. Mai 1874 in der Chiesa di San Marco in Mailand unter Verdis eigener Leitung, mit Teresa Stolz und Maria Waldmann als Solistinnen.

Interessant und wichtig ist auch, dass Verdi für sein Requiem verschiedene Elemente früherer Kompositionen nutzte, darunter das Libera me, ursprünglich 1868 für die Messa per Rossini komponiert, sowie gestrichene Musik aus Don Carlos.

Und... das Werk wurde unmittelbar nach der Uraufführung international mehrfach in Wien, Paris und London... säter auch in Köln  aufgeführt und gilt heute als eine der bedeutendsten geistlichen Kompositionen des 19. Jahrhunderts.

Über Verdis einzige Begegnung mit Manzoni

Verdi begegnete Alessandro Manzoni nur ein einziges Mal, am 30. Juni 1868, nachdem seine langjährige Freundin Clara (Clarina) Maffei, geb. Spinelli, dieses Treffen ermöglicht hatte. Verdi selbst hätte es nämlich nie geschafft, Manzoni zu fragen, ob er sich ein Treffen mit ihm vorstellen könne. Nach dem Treffen zeigte sich Verdi zutiefst bewegt und beschrieb Manzoni in einem Brief als „Heiligen“ und als den einzigen Menschen, vor dem er sich hätte niederknien können.

„Cosa potrei dirvi di Manzoni? Come spiegarvi la sensazione dolcissima, indefinibile, nuova, prodotta in me alla presenza di quel Santo, come voi lo chiamate?“ („Was könnte ich Ihnen von Manzoni sagen? Wie könnte ich Ihnen das süße, unbestimmte, neue Gefühl erklären, das seine Gegenwart in mir hervorgerufen hat — dieses Gefühl, das man nur in der Nähe eines Heiligen empfindet?“)

Weiter fügte Verdi noch hinzu:

„Io me gli sarei posto in ginocchio dinanzi, se si potessero adorare gli uomini.“ („Ich hätte mich vor ihm niedergekniet, wenn man Menschen verehren dürfte.“)

Und weiter:

„Quando lo vedete, baciategli la mano per me, e ditegli tutta la mia venerazione.“ („Wenn Sie ihn sehen, küssen Sie ihm die Hand für mich und sagen Sie ihm meine ganze Verehrung.“)

Diese wenigen Zeilen sind der einzige direkte Bericht Verdis über die Begegnung — und gelten als eines der bewegendsten Dokumente seiner gesamten Korrespondenz. Sie gelten bestimmt auch als Inspiration für die Messa da Requiem.