Entstehungsgeschichte II

Am 17. Oktober 1836 gelangte am Théâtre de l’Ambigu‑Comique in Paris das Drama Nabuchodonosor in vier Akten von Auguste Anicet‑Bourgeois und Francis Cornu zur Aufführung. Die beide Schöpfer des Stücks standen damals bekannt als Spezialisten für ein mehr oder weniger auf Effekt ausgerichtet historisches Theater. und das bedeutete hinsichtlich Nabuccodonosor dass die Gestalt des assyrischen Königs, die Eroberung Jerusalems und das babylonische Exil der Hebräer den Anforderungen eines wirkungsvollen und großartigen Bühnenspektakels angepasst werden musste, das auf der geschickten Verteilung einer Reihe von kunstvollen „coup de théâtre“ beruhte.

Wie es auch sei... das Drama fand Gefallen so auch außerhalb von Paris immere öfters darüber gesprochen wurde. Und 2 Jahre später auch in Mailand mittels es in September 1838 erscheine eine italienische Übersetzung, und am 27. Oktober desselben Jahres an der Scala als historisches Ballett in fünf Teilen, "Nabuccodonosor, Choreografie von Antonio Cortesi, aufgeführt zu werden. Und der Erfolg was so groß, das erst nach 35 Vorstellungen eine leichte verschlappung eintrat.

Nicht lange danach, vermutlich um die Mitte des Jahres 1840, schrieb oder zumindest entwarf Temistocle Solera ein Libretto, das weitgehend aus dem französischen Drama hervorging, aber auch die Ballettfassung berücksichtigte. Diese hatte bereits eine deutliche Vereinfachung der Handlung und der Anzahl der Figuren vorgenommen und – entscheidend – die Rolle des Zaccaria verstärkt, der im Ballett bereits als Symbol des Gewissens der Hebräer dargestellt wurde (ein Motiv, das im Drama nur angedeutet ist).

Das Libretto wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit von Impresario Bartolomeo Merelli in Auftrag gegeben, der Solera schon zuvor mit der Überarbeitung der Verse von Oberto conte di San Bonifacio betraut hatte (und vielleicht auch mit der Überarbeitung von Un giorno di regno). Und nach dessen vollendung bot Merelli das neue Libretto dem deutschen Komponisten Otto Nicolai an, der damals in Italien tätig war. Nicolai lehnte ab und entschied sich stattdessen für Il Proscritto von Gaetano Rossi, ein Libretto, das zuvor Verdi angeboten worden war.

Il Proscritto wurde am 13. März 1841 an der Scala aufgeführt – mit katastrophalem Ausgang und nur einer einzigen Vorstellung, trotz der Mitwirkung der gefeierten Sopranistin Erminia Frezzolini, die damals mit Nicolai verlobt war.

Einige Monate zuvor, am 5. September 1840, war an der Scala Verdis zweite Oper Un giorno di regno aufgeführt worden, ebenfalls nur einmal. Doch die Karriere des jungen Komponisten war damit keineswegs beendet. Wohl verließ die Wohnung in der Contrada di San Simone, die er mit seiner Frau und seinem Sohn Icilio bewohnt hatte, und zog nach einem kurzen Aufenthalt in Busseto in die Corsia de’ Servi, näher zur Scala, wo ab 17. Oktober 1840 Oberto erneut gespielt – insgesamt 17 Aufführungen. Die Oper setzte ihren Weg fort und wurde, vom Komponisten begleitet und mit einigen Ergänzungen versehen, am 9. Januar 1841 am Teatro Carlo Felice in Genua mit gutem Erfolg aufgeführt.

Kurz darauf kehrte Verdi nach Mailand zurück und traf Merelli, der ihm das von Nicolai abgelehnte Libretto Soleras erneut anbot.

Was dann geschah, ist durch zwei autorisierte Berichte überliefert:

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