Entstehungsgeschichte

Drei Erzählungen über die Entstehung

Rund um die Entstehung der zweiten Oper Verdis existieren also drei Berichte, zwei indirekte und einer direkte, alle stammen aber aus der Zeit, der mehr als dreißig Jahre nach den Ereignissen liegt.

Der erste ist der sogenannte „autobiographische Bericht“, also die Worte, die Giulio Ricordi am 19. Oktober 1879 -Verdi war damals sechsundsechzig Jahre alt- aufzeichnete und in die Vita aneddotica von Pougin einfügte:

1.

Merelli machte mir damals [nach dem guten Erfolg von Oberto conte di San Bonifacio einen für jene Zeit sehr großzügigen Vorschlag; er bot mir nämlich einen Vertrag über drei Opern an, die im Abstand von jeweils acht Monaten zu schreiben und an der Scala oder am Theater in Wien, dessen Impresario er ebenfalls war, aufzuführen seien: als Entgelt zahlte er mir viertausend österreichische Lire pro Oper und teilte dann den Gewinn aus dem Verkauf der Klavierauszüge zur Hälfte. Ich nahm den Vertrag sofort an, und kurz darauf, als Merelli nach Wien abgereist war, überließ er dem Dichter [Gaetano] Rossi den Auftrag, mir das Libretto zu liefern, und dieses war Il Proscritto. Doch ich war nicht völlig zufrieden und hatte noch nicht begonnen, es zu vertonen, als Merelli in den ersten Monaten des Jahres 1840 nach Mailand zurückkehrte und mir sagte, er brauche unbedingt für den Herbst eine komische Oper, und zwar aus besonderen Gründen seines Repertoires: er würde mir sofort ein Libretto besorgen, und später würde ich dann Il Proscritto vertonen. Ich lehnte die Bitte nicht ab, und Merelli gab mir verschiedene Libretti von Romani zu lesen, die — sei es wegen schlechten Erfolgs oder aus anderen Gründen — vergessen dalagen. Ich las und las wieder, keines aber gefiel mir, doch angesichts der Dringlichkeit, die man mir entgegenbrachte, wählte ich dasjenige, das mir am wenigsten schlecht erschien, und das war Il finto Stanislao, später Un giorno di regno genannt.“

2.

Der zweite Bericht findet sich in Michele Lessonas Volere è potere (1869), der das Kapitel über Verdi nach einem langen Gespräch mit ihm in Tabiano im September 1868 schrieb. Darin heißt es: „Oberto conte di San Bonifacio machte keinen großen Eindruck, aber er missfiel auch nicht. Und  Merelli, der besser als jeder andere die Dornen kannte, die demjenigen den Fuß blutig machen, der den ersten Schritt auf dem Theaterweg tut; die Hindernisse und Schwierigkeiten einer ersten Aufführung, war mit diesem Erfolg zufrieden und bot Verdi einen Vertrag an, worin vereinbart wurde dass er drei weitere Opern schreiben solle, von denen die erste komisch sein soll und im Herbst des folgenden Jahres 1840 auf die Bühne kommen soll.

3.

und mittels ein Brief an Opprandino Arrivabene ließt man... „Nach dem Oberto machte ich mit demselben Merelli einen Vertrag über drei Opern zu je 4.000 österreichischen Lire. Die erste war Un giorno di regno, das mir trotz des Fiaskos pünktlich und ohne die geringste Schikane bezahlt wurde.“ (Arrivabene, 7.3.1874)

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