Joseph Méry

(Les Aygualades, Bouches‑du‑Rhône, 12. Januar 1797 – Paris, 17. Juni 1866)

Joseph Méry war ein vielseitiger französischer Schriftsteller, Journalist, Dramatiker und Librettist, dessen Werk die literarische und musikalische Kultur des 19. Jahrhunderts nachhaltig prägte. Nach Aufenthalten in Italien und im Orient ließ er sich 1824 in Paris nieder und widmete sich dort der Dichtung und dem Theater.

Zu seinen bedeutendsten dramatischen Arbeiten zählt La Bataille de Toulouse, uraufgeführt am 11. April 1836 im Théâtre Beaumarchais und 1838 als italienischer Übersetzung veröffentlicht. Das Stück, angesiedelt im Jahr 1814 während des letzten Aufglanzes der napoleonischen Herrschaft, schildert die Ereignisse rund um die Schlacht von Toulouse und verknüpft sie mit einer dramatischen Liebesgeschichte: Isaura (Lida), eine Spanierin, glaubt ihren Geliebten Gaston (Arrigo) gefallen und heiratet auf Drängen ihres Vaters dessen Freund, Major Duhoussais (Rolando). Als Gaston aber unerwartet zurückkehrt, kommt es zu einem letzten, tragischen Aufeinandertreffen, das im Selbstmord des Helden endet.

Dieses Drama wurde zur literarischen Grundlage für Salvatore Cammaranos Libretto La battaglia di Legnano. Cammarano verlegte die Handlung vom napoleonischen Frankreich aber in das Italien des Kampfes gegen Kaiser Barbarossa, erweiterte den patriotischen Rahmen und gestaltete das Ende neu: Arrigo stirbt nicht durch einen Sprung aus dem Fenster, sondern fällt heroisch im Kampf — eine dramaturgische Wendung, die Verdis Oper entscheidend prägt.

Mérys Bedeutung für die italienische Oper reicht jedoch viel weiter. 1865 begann er nämlich gemeinsam mit Camille du Locle die Arbeit am Libretto zu Don Carlos, doch durch dessen plötzlicher Tod, musste du Locle die Arbeit allein fortsetzen, doch Mérys Anteil an der Konzeption des Werks bleibt wesentlich: er nämlich prägte die literarische Grundstruktur und die dramatischen Tinte, der Verdis Oper zu einem der komplexesten Werke des 19. Jahrhunderts machte.

Joseph Méry gehört damit zu den wichtigen französischen Autoren, deren literarische Fantasie und dramatische Gestaltungskraft unmittelbar in die Welt Giuseppe Verdis hineinwirkte — als Vermittler zwischen französischer Romantik, politischem Drama und italienischem Musiktheater.