Oberto, conte di San Bonifacio (Handlung und Libretto)

Historischer Kontext und Vorgeschichte

Ezzelino III. da Romano (1194–1259) war einer der Anführer der kaisertreuen Ghibellinen in Italien, die den staufischen Kaiser Friedrich II. bei seinem Konflikt mit dem Papst unterstützten. Ezzelino hatte ererbte Besitztümer in Treviso, eroberte aber bald weite Teile Venetiens dazu. Im Jahr 1228 hatte Ezzelino auch ein Schloss bei Bassano, in dem die Handlung der Oper spielt.

Aus Rückblenden in der Oper geht folgende Vorgeschichte hervor: Ezzelino hatte mithilfe der Veroneser Familie Salinguerra den Grafen von San Bonifacio, namens Oberto, besiegt. Dieser wurde verbannt und floh nach Mantua, ließ aber seine Tochter Leonora bei seiner Schwester in Verona zurück. Anschließend hatte sich Riccardo Salinguerra unter falschem Namen Leonora genähert und sie verführt, verließ sie aber, weil er sich in Cuniza, die Schwester Ezzelinos, verliebt hatte. Ezzelino war mit einer Heirat seines Parteigängers Riccardo und seiner Schwester einverstanden. Leonora, die von der bevorstehenden Hochzeit gehört hatte, reiste zu Ezzelinos Schloss, um Riccardo zur Rede zu stellen und seinen Treuebruch zu enthüllen. Die Oper spielt am Tag der geplanten Hochzeit von Riccardo und Cuniza.

Erster Akt

Erstes Bild: Eine liebliche Landschaft bei Bassano

Nach der Ouvertüre (Sinfonia) begrüßt ein Chor der Hofdamen, Ritter und Vasallen den Bräutigam, der zur Hochzeit angereist ist. Bei seinem Dank enthüllt Riccardo, dass er sich von der Hochzeit einen Machtzuwachs verspricht. Nachdem Riccardo mit dem Chor in Richtung Schloss abgetreten ist, betritt Leonora die Bühne. In einer Szene und Kavatine beklagt sie ihr Schicksal und will Rache. Auch Oberto ist trotz seiner Verbannung angereist, um seine Tochter zu suchen und ihre verlorene Ehre zu rächen. Beide treffen unvermutet aufeinander. Oberto gibt seinen Schmerz über Leonoras Fehltritt zu erkennen, versöhnt sich aber mit ihr. Beide eilen dem Schloss entgegen, um Rache zu nehmen.

Zweites Bild: Prächtiger Saal in Ezzelinos Palast

Ein Chor besingt die glückliche Braut. Cuniza dankt ihnen. Als sie mit Riccardo allein ist, wird sie von Vorahnungen geplagt. Riccardo versucht, ihre Sorgen zu zerstreuen. Nachdem beide abgetreten sind, trifft Leonora ein, die Imelda um ein Gespräch mit Cuniza bittet. In der anschließenden Szene enthüllt Leonora, dass sie die Tochter Obertos ist. Cuniza ist noch unschlüssig, bis auch Oberto hinzukommt. Nachdem Cuniza von Riccardos Treulosigkeit erfahren hat, ruft sie im Finale den gesamten Hof zusammen, um Riccardo mit Leonora zu konfrontieren. Riccardo versucht zunächst Leonora zu beschuldigen, aber Cuniza ist endgültig von seiner Niedertracht überzeugt. Oberto fordert Riccardo zum Zweikampf mit dem Schwert.

Zweiter Akt

Erstes Bild: Gemach der Fürstin

Im Beisein Imeldas versucht Cuniza, sich noch einmal an die glücklichen Stunden mit Riccardo zu erinnern, aber sie kann nicht länger Liebe zu ihm empfinden. Ihr Entschluss ist gefasst. Riccardo soll zu Leonora zurückkehren.

Zweites Bild: Einsamer Ort in der Nähe der Schlossgärten

Oberto erfährt vom Chor der Ritter von Cunizas Entschluss, aber er will trotzdem Rache und einen Zweikampf auf Leben oder Tod. Riccardo verweigert zunächst den Zweikampf, worauf Oberto ihn als Feigling bezeichnet. Auch Cuniza und Leonora kommen hinzu. Cuniza erklärt ihren Verzicht und entscheidet, dass Riccardo zu Leonora zurückkehren soll. Oberto zischelt Riccardo zu, dass dieser zum Schein darauf eingehen soll, aber wenn er kein Feigling sei, soll er sich zum Zweikampf stellen. Beim Zweikampf hinter der Bühne ersticht Riccardo den alten Oberto. In einem Verzweiflungsanfall erkennt Riccardo seine Schuld, bereut und betet. Er hat seinen Entschluss gefasst und flieht. Cuniza erfährt vom Tod des alten Grafen und dass Leonora ohnmächtig neben der Leiche ihres Vaters niedersank. Leonora, die inzwischen aus der Ohnmacht erwacht ist, wird zu Cuniza geführt, wo sie sich selbst die Schuld am Tod ihres Vaters gibt. In diesem Moment erscheint ein Bote mit einem Brief Riccardos an Cuniza, den sie vorliest. Riccardo will aus Italien fliehen, bittet Leonora um Verzeihung und überträgt ihr seine Güter. Leonora beschließt in ihrer Verzweiflung, ins Kloster zu gehen.